Mittwoch, 28. Dezember 2016

Ein ganzes ganzes Jahr

Es war ein arbeitsreiches Jahr, dieses 2016, womit auch schon der wesentliche Grund für die – da bin ich ja durchaus konsequent – fast komplette Vernachlässigung des Blogs dargelegt wäre. Ab und an kommt per Kommentarfunktion die Kritik, man lese hier so gar nix mehr – befinde der Autor sich denn wohl? Das tut er, danke vielmals der besorgten und selbstlosen Nachfrage. Er hat sich, der Autor, lediglich dieses Jahr etwas zu viel Arbeit aufgeladen, die, wie es gern mal passiert, sich erst im Laufe der Zeit als zu viel entpuppte. Immerhin kam dabei einiges Nettes heraus, das ich nun zum Jahresabschluss aufliste. Sogar mit Bildern. Guckt mal zum Beispiel hier:


Das war das Hurenkinder-Massaker zur Jubiläumsausgabe von Dirk und ich. Im diesjährigen Herbst wurde mein Erstling 25 Jahre alt. Anlässlich dieses schönen Anlasses veranlassten der Verlag und ich uns gegenseitig zum Nachdenken darüber, ob man den Fans mehr bieten sollte als bloß eine äußerlich hübsch verzierte Neuauflage. Weshalb die aktuelle Hardcover-Ausgabe (wie auch das Hörbuch) ergänzt ist um zwei nagelneue Geschichten (und noch dazu recht lange; der Autor ist geschwätziger geworden im Alter), um komplett neue und farbige Illustrationen von Peter Schössow (eine für jede Story), sowie um ein nachwortliches, ja, geradezu epilogäres Making Of, das zusätzlich noch gespickt ist mit Kinderfotos von, na ja, eben Dirk und mir (Teile des Making Of kann man in diesem älteren Blogeintrag nachlesen). Plus, es gibt eine Cover-Galerie, die zeigt, wie der Titel sich über die 25 Jahre seiner nie abreißenden Popularität hinweg optisch immer mal wieder verändert und den Zeitläuften angepasst hat. Es bedurfte einiger Anläufe, für die neuen Storys den damaligen Ton wenigstens einigermaßen zu treffen, hat aber funktioniert. Dramaturgisch hat sich dabei auch etwas geändert, was mir immer ein wenig auf der Seele lag: Die neuen Geschichten fügen sich nicht nur organisch in den Gesamttext ein, sondern sind außerdem inhaltlich mit den vor und nach ihnen kommenden verschränkt. Das Buch wirkt also jetzt viel mehr wie aus einem erzählerischen Guss und nicht mehr wie eine bloße Aneinanderreihung von nur vage chronologisch gestaffelten Geschichten.


Sonst noch aus der Werkstatt: Es war mal geplant, zum diesjährigen Weihnachtsfest einen neuen Rico erscheinen zu lassen, quasi einen Sonderband, eine einzelne ebenso hübsche wie hübsch verpackte Geschichte, mithin also keinen Auftakt zu einer neuen Trilogie und dergleichen. Das ging leider ein bisschen die Hose, weil Peter Schössow frühzeitig ankündigte, die erforderlichen Illustrationen für diesen Winter (also 2016) nicht rechtzeitig abliefern zu können. Womit der schwarze Peter praktischerweise dem Peter zugefallen war, noch bevor wiederum ich selber dem Verlag mitteilen konnte, dass ich (hauptsächlich wegen der TV-Produktionen) ebenfalls kaum rechtzeitig fertig werden würde. Inzwischen aber sind wir intensiv dran: Der Titel steht, das Cover ist bereits fertig (und zuckersüß), der Text ist in der Mache (wird auch goldig), und Rico-Fans können sich entspannt zurücklehnen: Weihnachten 2017 steht das Buch unterm Baum. Neben, zum Beispiel, dem bis dahin bereits zweiten erschienenen kleinen Rico-Bilderbuch. Das erste sieht so aus:


Fische aus Silber erscheint im kommenden Frühjahr, gewürzt mit einer gehörigen Prise Enthusiasmus, Überzeugungs- und Mittäterschaft meiner wunderbaren Verlegerin Renate Herre und angerichtet mit den Layout-Künsten meines Bruders Dirk (der von weiter oben). Hervorgegangen hingegen ist das Buch aus der nagelneuen Rico-Animations-Serie Rico & Oskar, die Kumpel (und Firmen-Mitinhaber) Klaus Döring und ich für Die Sendung mit der Maus konzipiert, geschrieben und produziert haben – womit auch schon der größte Zeitfresser und Stressmacher benannt wäre; das nächste Mal baue ich lieber gleich am Berliner Flughafen mit … Die ersten drei (von vier) Pilotfolgen liefen im November, werden aber sicherlich ab nun des Öfteren wiederholt auf KiKa und Gott weiß wo. Ab April nächsten Jahres entstehen zehn weitere Folgen. Markant an der Serie ist, dass die darin erzählten Abenteuer nicht nur die beiden Jungs zu Hauptdarstellern haben, sondern auch sechs nagelneue Kinderfiguren – eine Kreuzberger Gang –, die den schrägen Figuren-Kanon um Rico herum um ein paar hübsche, und hoffentlich liebenswerte, Varianten bereichern. Da die Gründungsgeschichte der Gang weder inhaltlich noch von der Erzählzeit her ins Maus-Format gepasst hat, wird sie im Weihnachtsbuch nacherzählt; so verzahnen sich die Geschichten. Das wird nett. Hoffentlich.


Dann war da ja noch der Film. Während ich Die Mitte der Welt immerhin mal aufs Tapet gehievt habe im Lauf des Jahres, ist der letzte Rico-Film zu kurz gekommen. Und das zu Unrecht, denn ganz anders als der zweite Teil ums Herzgebreche, mit dem ich stellenweise meine Schwierigkeiten hatte, ist der Diebstahlstein wieder rundum bestens ausgewuchtet. Kaum verwunderlich, denn wie schon bei den Tieferschatten hat auch hier Neele Vollmar sich nicht verleiten lassen, einen Kinderfilm als Aufforderung zu verstehen, alles etwas lauter und bunter, kurz: schriller zu machen als im Erwachsenenfilm (gerade so, als verfügten ausgerechnet Kinder noch nicht über ein voll ausgebildetes Sinnes-Instrumentarium). Und Autor Martin Gypkens hat beim Drehbuch wirklich gezaubert und die umfangreiche Romanvorlage in eine mehr als nur adäquate verfilmbare Form gegossen. Lediglich den Ausflug in den Fäkalhumor ("Ich habe Durchfall!") werde ich den Produzenten niemals verzeihen, da ist es mir auch, ehm, scheißegal, ob und wie laut hunderttausend Kinder und ihre Eltern im Kino darüber lachen oder schreien. Kacke funktioniert immer, bleibt aber auch immer peinlich unappetitlich; letztlich stinkt sie. Von diesem winzigen Ausrutscher abgesehen: Alles toll, und hiermit ein letzter Dank an ein wunderbares (und Wunder wirkendes) Team und all die wunderbaren Darsteller!


Die Mitte der Welt hat derweil unzählige (verdiente) Lorbeeren eingeheimst, und nun lichten sich die auf Büchern von mir beruhenden Verfilmungen. Der Beschützer der Diebe ist noch in der Mache, Anders ebenfalls, und Der Mechanische Prinz wurde eben angefragt, aber ob aus all diesen Projekten etwas wird, steht in den Sternen. Konkreter sieht es mit der nächsten Eigenproduktion aus: Kumpel Klaus und ich produzieren, gemeinsam mit der Münchener Tellux Film, im Auftrag des ZDF im Sommer 2017 die sechsteilige Realfilm-Serie Dschermeni.

Die Flüchtlingskrise dient als Hintergrund, streng personal aus Kindersicht erzählt. Die von Klaus und mir konzipierten und verfassten Drehbücher sind fertig, im Februar verleihen wir ihnen letzten Glanz (Regie-Fassung), und wenn alles so läuft, wie es soll (das Kinder-Casting dürfte sich als sehr schwierig darstellen), kann man um Weihnachten 2017 herum das Resultat im TV bewundern.

Dann noch dies: Es gab ja mal eine Zeit, da habe ich durchaus viel übersetzt. Inzwischen kriege ich das aus Zeitgründen im früheren Umfang nicht mehr hin, freue ich mich dafür aber umso mehr, wenigstens über ausgewählte Bilderbücher weiterhin Präsenz in dieser Disziplin zeigen zu können. Für Carlsen habe ich das extrem witzige Penguin Problems von Jory John und Lane Smith übersetzen dürfen, während bei Aladin der poetische King of the Sky (von Nicola Davies und Laura Carlin) erscheinen wird.



Sehr schön war dieses Jahr (neben diversen, oft sehr zu Herzen gehenden Benefiz-Lesungen) außerdem ein Ausflug in den Süden der Republik, wo ich nochmals Wenn mein Mond deine Sonne wäre mit dem SWR-Sinfonieorchester aufführen durfte, einfach bloß Spaß gemacht haben die Hörbuchaufnahmen zu Die längste Nacht mit Autorenfreundin Isabel Abedi, und völlig begeistert hat mich die Uraufführung von Anders im Staatstheater Mainz.


Wahnsinnig geehrt fühle ich mich durch die Aufnahme in die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, und nicht weniger glücklich macht mich der Erhalt des James Krüss Preises 2017. Da meinen es wieder viele Menschen gut mit mir – danke sehr!

So.
Siehste.
Ging doch.

Allen noch verbliebenen Lesern da draußen wünsche ich ein gutes und gesundes neues Jahr!

Freitag, 11. November 2016

Mitten ins Kino

Seit gestern läuft nun – nach vielerlei Vorpremieren hier und dort in der Republik – Die Mitte der Welt offiziell in den bundesdeutschen Kinos. Inzwischen habe ich den Rohschnitt vier oder fünf mal gesehen, die finale Kinofassung bei der Deutschlandpremiere in Köln, in Marburg, in Hamburg …. Und ich könnte ihn wieder schauen, diesen so schönen Film, weil es immer wieder Neues zu entdecken (oder bereits bekanntes Tolles wiederzusehen) gibt.


Die Kritiken sind ausnahmslos sehr gut bis exzellent und euphorisch und machen hoffentlich beim ein oder anderen bisher Unentschlossenen Lust auf mehr:


Filmstarts.de 
„Verspielt, unangepasst und emotional mitreißend – ‚Die Mitte der Welt‘ vermittelt auf herausragende Weise das Gefühl einer pubertären Gefühlsachterbahn.“

Von DPA, erschienen z.B. auf T-online.de
„Schwulen-Film könnte Louis Hofmann den Durchbruch bringen (…) So locker und leicht die Selbstdarstellung von Phil daherkommt, so unaufgeregt und selbstverständlich hat Regisseur und Drehbuchautor Jakob M. Erwa die Homosexualität der Hauptfigur im Film "Die Mitte der Welt" inszeniert.“

Von Teleschau, erschienen auf Msn.de
„eine zauberhafte Geschichte, die beglückt und verzückt, betrübt und verstimmt und auf der Leinwand genauso einzigartig einschlägt wie im Buch.“ Teleschau, ausgezeichnet 

„(…) bleiben bei Die Mitte der Welt insbesondere zwei Dinge in Erinnerung: die Bilder eines langen Waldweges und die Selbstverständlichkeit, mit der die Homosexualität der Hauptfigur behandelt wird. (…) Weitaus dramatischer ist Phils Abnabelung von seiner Familie (…)  und wie er für sich einstehen kann. Und das ist wohltuend unaufgeregt.“

„Eine schwule Lovestory, bei der die sexuelle Orientierung überhaupt keine Rolle mehr spielt! (…) So leichtfüßig die Inszenierung daherkommt, so erfrischend erweist sich das Ensemble. (…) Mit welcher Intensität Hofmann hier eine Trennungsszene hinlegt, das ist schon eine Klasse für sich!“ Programmkino.de

„Große Gefühle – frei von Kitsch oder Rührseligkeit“

M-maenner.de 
„Sehnsüchtiger hat das queere Kinopublikum dieses Jahr vermutlich keinen Film erwartet“ M-maenner.de

Siegessäule.de 
„Allein mit welchem Feuerwerk an bildnerischen und stilistischen Ideen Erwa versucht, die überschwängliche und auch widersprüchliche Gefühlswelt von Phil sichtbar und erlebbar zu machen, ringt großen Respekt.“ Siegessauele.de

Blu.fm 
„Ganz selbstverständlich schwul (…) Die Schauspieler, allen voran Louis Hofmann (u. a. Deutscher Schauspielerpreis als bester Nachwuchsschauspieler), sind ganz und gar wunderbar. Die Atmosphäre des Films ist geheimnisvoll, spannend und mitreißend. Wer das Kultbuch schon kennt, wird es ohnehin nicht erwarten können, den Film zu sehen. Wer nicht, den erwarten großes Kino und eine tolle, überraschende Story. ‚Die Mitte der Welt‘ ist mit Sicherheit einer unserer Lieblingsfilme des Jahres.“ Blu.fm

So. Und da ich nun die letzte Reise für dieses Jahr hinter mir habe (und vor mir unbegrenztes Schreiben am Rico-Weihnachtsbuch für das kommende Jahr), sollte ich in den nächsten Tagen auch endlich das überfällige Blog-Update auf die Reihe kriegen. Zumal ich ja noch Werbung für Die Sendung mit der Maus machen muss, bzw. für Rico und Oskar, die sich darin austoben, in einer von mir und Kumpel Klaus Döring verfassten und produzierten Animationsreihe.

Sonntag, 10. Januar 2016

Sneak Peek - Die Mitte der Welt

Ich lasse den - von mir schon gesichteten und für Neun-von-Zehn-Punkten befundenen - dritten Rico-Film ungern ins Hintertreffen geraten, aber ich gestehe offen: Mit bereits zwei Ricos im Rücken war ich inzwischen ein wenig gespannter auf die Spielfilmadaption von Die Mitte der Welt. Weshalb ich mich an dieser Stelle zu Rico, Oskar und der Diebstahlstein etwas später äußern werde.

Die Mitte der Welt also: Eben habe ich mir die 110 Minuten des Rohschnitts angeschaut. Es stehen noch die üblichen Farbkorrekturen aus, das Sounddesign, einige visuelle Effekt sind gerade in der Mache, und die Musik war oft mehr von Platzhaltern bestimmt als vom späteren originalen Soundtrack; aktuell werden da noch Rechtefragen geklärt. All dessen ungeachtet kann ich jetzt schon behaupten, dass der Film ganz phantastisch geworden ist. You hear me? GANZ UND GAR PHANTASTISCH! Ich bin glücklich und begeistert und sehr, sehr froh; man weiß ja vorher nie – nicht wahr, Forrest? –, was man kriegt. Für meine Begeisterung habe ich Zeugen: Brüderchen Dirk und sein Schnucki haben mitgeschaut. Beide sind genauso hingerissen wie ich.


Jakob M. Erwa, der nicht nur Regie führte, sondern auch fürs Drehbuch verantwortlich zeichnet, hat es geschafft, den im Buch bewusst zeitlos gehaltenen Stoff wie mühelos in die Gegenwart zu holen – und Kinners, ich bin selber Autor: Nichts ist so verdammt anstrengend wie Mühelosigkeit. Jakobs Eingriffe machen sich sprachlich bemerkbar, in der Ausstattung, in den Kostümen und in der Inszenierung (Smartphone-Chats werden zum Beispiel im laufenden Bild eingeblendet, kleine Reminiszenz an den von mir verehrten Sherlock, oder wo auch immer dieses hübsche Mittel erstmals eingesetzt wurde). Ändert dies (wie ich nicht besonders heimlich befürchtet hatte) irgendwas am Inhalt oder an den Figuren? Mitnichten. In Die Mitte der Welt ist alles drin, drum und dran, was mir wichtig ist und was Fans des Romans erwarten werden. Oder fast alles: Rückblenden in die Kindheit von Phil und Dianne finden nur mit ihnen sowie Glass als handelnden Personen statt, auf alle Nebenfiguren wurde verzichtet. Geht auch nicht anders, der Film sollte ja nicht die Fortsetzung von Krieg und Frieden werden.

Ich werde zum Kinostart im Sommer nochmal was Längeres schreiben. Dann kann ich mich auslassen über das clever konstruierte Drehbuch, den inszenatorischen Mut, über die phantastische Kameraarbeit, die so sorgfältige Ausstattung, das (wirklich) grandiose Licht … und über die Schauspieler. Die wunderbaren, wunderbaren, wunderbaren Schauspieler!

Happy!
LZ