Mittwoch, 31. März 2010

Lesungen im April und Mai 2010

Eigentlich wie gehabt: Die meisten Lesungen im April und Mai finden in Bibliotheken bzw. Schulen fest gebucht für angemeldete Schulklassen statt; ich führe sie daher hier nicht auf.

Die Termine im Mai werde ich noch spezifizieren. Fast die komplette Woche ist mit Benefiz-Veranstaltungen gefüllt, das heißt, ich lese entgeltfrei für Kinderhospize in Südafrika, den Bau eines Kinderdorfes in Kenia, die AIDS-Hilfe Offenbach und dergleichen.

Ein Schmankerl (und hier nur erwähnt, um damit anzugeben und hemmungslosen Neid zu provozieren) werden einige Lesungen in New York sein, der großartigsten Stadt des mir bekannten Universums, in der letzten Woche im Mai. Zuletzt war ich 2001 im Big Apple, mit Brüderchen Dirk; er wird mich aus diesmal wieder begleiten. Seufz …

gnu-free-Manhattan00
Freitag, 16. April
15.00 Buchhandlung Libra
Oberursel, Rathausplatz 7,

Montag, 26. April
20.00 Buchhandlung Wälischmiller
88677 Markdorf, Am Stadtgraben 12

Freitag, 30. April
17.00 Buchhandlung Nimmersatt
10967 Berlin, Dieffenbachstraße

Dienstag, 4. Mai
20.00 KÖB Herz Jesu
Recklinghausen, Niederstraße 29

Mittwoch, 5. Mai
15.30 Lesesaal der Stadtbücherei
Münster, Alter Steinweg 11
20.00 dito; Lesung und Gespräch
"Literarische Wege aus dem Labyrinth"

Donnerstag, 6. Mai
15.00 Gemeindezentrum Sankt Jakob
Frankfurt/Main, Kirchplatz 9
(Eintritt Kids/Erw. 3/4 Euro)
19.00 Leibniz Schule (über Cafeteria)
Offenbach, Brandsbornschule 11

Donnerstag, 20. Mai
15.30 GS Bertha-von-Suttner (Forum)
Siegen, Giersbergstraße 145
17.30 Buchhandlung Schneider
Siegen, Sandstraße 1
wei

Sonntag, 28. März 2010

Aufgeräumt

Fast zwei Jahre lang hegte ich beste Absichten, nun ist es vollbracht: Eine kleine Rundumerneuerung des Blogs. Was man ihm, auf den ersten Blick, nicht ansieht, da es sich dabei lediglich (pah!) um eine Aktualisierung der Links bei den Filmen und Büchern handelt. Es sind jetzt bloß nicht mehr jeweils fünf, sondern nur noch vier Titel pro Rubrik vorhanden – ich lese und gucke inzwischen einfach zu langsam.


gnu-free_Groningen_NL_1

Außerdem habe ich alle zum Download angebotenen Dokumente, die vor allem manchen Lehrer interessieren könnten (Dateien mit Infos zu meiner Person und zu den gängigsten meiner Bücher, nur Rico und Oskar fehlen noch) auf einen anderen Server gelegt. Der alte hatte sich, ohne Vorwarnung, ins virtuelle Nirwana verabschiedet.

Und jetzt die Wohnung …

weiß

Demnächst, demnächst nicht und demnächst

Seit sehr langem habe ich darauf hingearbeitet, ab Juni dieses Jahres bis wenigstens 2012 in Ruhe und ohne Unterbrechungen an einem dicken Roman weiterschreiben zu können. Letztlich bedeutet das eigentlich bloß back to basics: Keine Übersetzungen mehr, keine Drehbücher, keine zusätzlichen Lesungen.

Möglicherweise muss ich über 2012 hinaus verlängern, da ja Rico 3 längst im Kasten sein sollte, oder weil ich irgendwann feststelle, dass der jetzt schon recht umfangeiche, vor zehn Jahren begonnene und dann irgendwann mangels Zeit und Nerven auf Eis gelegte Roman (diesmal für Erwachsene) doch noch etwas mehr Zuwendung braucht. Aber wie auch immer: Das ist die mittelfristige Planung.

Langfristig könnte ich mich eventuell dazu entschließen, einen vor fünf Jahren ebenfalls begonnenen, sehr umfangreichen Jugendroman auch noch zu Ende zu bringen, bevor mich selber mein Ende ereilt. Wäre schade um den schönen Stoff, auch wenn mein Verleger ihn nicht mag (womit ich mich, glaube ich, vorsichtig ausdrücke). Ich habe ihm trotzdem gratuliert, als er 2009 Verleger des Jahres wurde.

gnu-free--WatermanFairy1919


Konkret heißt all dies, dass ich (wehen Herzens, da ich Redaktion, Produktion und Mitautoren der Reihe extrem schätze) an den nächsten beiden Löwenzahn-Staffeln nicht beteiligt sein werde. Ebenso wird nichts aus dem Weihnachtsspielfilm, den ich geschrieben habe; ihm haben, wie so oft in dieser Branche, Schwierigkeiten bei der Finanzierung den vorläufigen Garaus gemacht.

Aber wo wir schon beim Film sind: 2011 soll Mister Moose nagelneu durchstarten. Die wunderbar quirlige Produzentin Leontine Petit von lemmingfilm hat sich des Stoffs angenommen, weil sie den Originalfilm genauso toll findet wie ich.

Die Lemminge hatten übrigens auch vorgeschlagen, als Co-Produzenten alle drei Bände um Rico und Oskar in eine TV-Serie zu verwandeln, 26 Teile, wenn ich mich recht erinnere. Konzeptionell jedoch hat zuletzt den Verlag, die Agentur und mich ein Spielfilm-Angebot besser überzeugen können: Die Tieferschatten kommen also ins Kino (im Theater waren sie schon), ergänzt um einige Schnipsel aus den Folgebänden, um die Sache rund zu machen. Die Drehbuch-Förderung ist durch (ich müsste mich mal auf den neuesten Stand bringen, was die Produktion betrifft – das habe ich, wie so vieles in den letzten Woche und Monaten, ungewollt vernachlässigt).

Die Mitte der Welt hat es auch im zweiten Anlauf nicht geschafft, das Licht der großen, weiten Kinowelt zu erblicken. Jetzt geht sie in die dritte Runde: Die üblichen Verdächtigen loten gerade aus, welches der vorliegenden Angebote vielleicht doch irgendwann zu einem fertigen Film führen könnte.

Und um dort aufzuhören, wo ich wieder hin will, nämlich bei den Büchern: Im Herbst 2011 wird ein Schmankerl veröffentlicht werden, dass vorerst, leider, noch größer Geheimhaltung unterliegt. Dabei würde ich so gern schon damit angeben …

weiß

Samstag, 27. März 2010

Non scholae, sed vitae discimus

Man ist ja einiges gewöhnt. Zum Beispiel, dass der im Titel wiedergegebene Seneca-Ausspruch (aus seinen Briefen an Lucullus) wohl auf immer ein verdrehtes Zitat bleiben wird. In der ursprünglichen Fassung nämlich – non vitae, sed scholae discimus - kritisierte der sonst durch wenig aus der Ruhe zu bringende Herr damit die zeitgenössischen römischen Philosophenschulen; unsere längst gebräuchliche Umkehr des Zitats ist lediglich die daraus abgeleitete Forderung, es besser als die Römer zu machen und nicht immer neue weltfremde Fachidioten auf die Menschheit loszulassen. Fein, dass wir seit 2000 Jahren hart und erfolglos daran arbeiten.

gnu-free-Seneca-Rubens


Auf unsere eigenen Schulen mag ich nicht wirklich einhacken. Dass ich mir manche Leserpost, gleich ob als Brief oder Mail verfasst, inzwischen immer öfter laut vorlesen muss, um den Inhalt wenigstens übers Lautmalerische zu erfassen – geschenkt. Legasthenie und Dyslexie sind ernst zu nehmende Probleme, unter denen die davon Betroffenen in der Regel sehr leiden. Erstaunlich ist bestenfalls der politisch korrekte Trend, inzwischen hinter jedem orthografischen Totalausfall eine versteckte Hochbegabung zu vermuten. Liebe Eltern: Echte Lernschwäche hat nichts mit Faulheit zu tun. Echte Faulheit aber auch nichts mit Begabung. Und manchmal liegt die Faulheit nicht nur beim Schüler.

Sei’s drum – man kommt durch dieses Phänomen in den Genuss von Mails wie der folgenden, eine Antwort auf von mir verschicktes Material zu Beschützer der Diebe, um die derselbe Schüler gebeten hatte – offenbar ohne sich dann damit auseinanderzusetzen:

Ja danke für deine Spitzen info echt Klasse Dein buch ist laaaaammm HAHAHAHAHAHAHAHA dein buch iss so scheiße du wixxer wegen dir hab ich ein 5 in hausaufgaben du huso ^^ hau rein !

Über fehlende Anrede (Lieber Huso) und Absender (dein Mofu) rege ich mich längst nicht mehr auf. Okay, jedenfalls nicht mehr so arg wie früher. Fasziniert hat mich bei der Lektüre eher, dass hier ein etwa Zwölfjähriger schon erkannt und verinnerlicht hat, wer für alles, was bei ihm nicht rund läuft, die Verantwortung trägt: Immer die anderen. Und damit hat er dann doch wirklich was fürs Leben gelernt.


Belugastör (Huso huso) weiß

Nicht alles ist Makulatur

Je populärer man wird, umso begehrter wird man – das ist eine so binsige Weisheit, dass sich selbst Binsen davon beleidigt zeigen dürften. Einladungen trudeln ins Haus, nicht mehr bloß zu Lesungen, Tagungen oder Podiumsdiskussionen, sondern für den Empfang höherer Weihen; Anfragen von hier und von dort, ob man dort und hier nicht etwas Tolles bewegen möchte.

Gut fürs Ego. Jedoch, von Haus aus bin ich ein eher unentschlossener Mensch. Gestern, beispielswiese, stand ich geschlagene zehn Minuten vor den aromatisierten Senfsorten (für Sandwiches) im Supermarkt, nahm zuletzt natürlich gar keinen mit, nur um kurz vor der Kasse kehrt zu machen und weitere fünf Minuten vorm Senf zu verplempern, bis ich mich für die Kräutervariante entschied, um dann zu Hause festzustellen, dass ich die Sandwiches vergessen hatte.

gnu-free-schwarzersenf
Es ist dieses Zögerliche in mir, das mich schon Wochen vor einer anstehenden Bundestags- oder Landtagswahl ganz irrsinnig macht, von der Auswahl selbst in kleinsten Buchläden ganz zu schweigen. Weshalb ich, in der Regel, alle möglichen Angebote höherer Weihen ablehne. Ich könnte mich ja falsch entscheiden und es erst Jahre später merken (was einer der Gründe ist, warum ich nie heiraten würde, selbst wenn der Staat mich ließe). Bis neulich. Da kam einer mit einer so brillanten und einleuchtenden Idee für eine so hübsche Sache auf mich zu, dass ich nicht Nein sagen konnte.

Während ich mir nämlich Sorgen um Senfsorten mache, stehen andere Menschen Schlange vor den Tafelläden und können froh sein, wenn zufällig mal ‘mittelscharf’ ohne alles im Angebot ist. Diese Menschen haben auch das Problem mit den Buchhandlungen nicht, weil für neue Bücher in der Regel schlicht keine Kohle übrig ist. Was soll’s, könnte man meinen, sollen diese Sozialschmarotzer doch einfach in die nächste spätrömisch-dekadente Bibliothek gehen! Da können sie sich ihr geschnorrtes Essen reinpfeifen und dabei den nagelneuen John Grisham, den der durchschnittliche Leistungserbringer sich unter allerlei Entbehrungen vom Munde absparen muss, mit Fettflecken einsauen! Und sicher könnten die Menschen das und täten es auch, aber wie jeder weiß, sind Bibliotheken nicht bundesweit dicht gesät, und gerade der durchschnittliche Sozialschmarotzer hat da vielleicht auch Berührungsängste, und manche Eltern - um die nicht ganz aus der Pflicht zu lassen - sind auch einfach zu ignorant oder zu faul, ihr Kind dort mal herumzuführen.

gnu-free-Carl_Spitzweg
Und da setzt sie an, die Kulturstiftung Selbst.Los!, gegründet vom Verleger-Ehepaar Annelie und Wilfried Stascheit. Bei dem Projekt Kinder brauchen Bücher, arme noch viel mehr (damit sind Kinder ohne finanzielle Mittel gemeint, nicht Kinder ohne Arme … nur für den Fall, dass einige von meinen ganz speziellen Leserbriefschreibern über diesen Eintrag stolpern) oder kurz: Kinderbücher für die Tafeln, geht es um Folgendes: Jährlich werden von unseren Verlagen abertausende von inzwischen unverkäuflichen Büchern verramscht oder, schlimmer noch, gnadenlos makuliert. (Makulieren heißt, dass einem durchaus der Lieblingsautor recycelt als Klopapier wiederbegegnen kann, ohne dass man es ahnt. Das ist eine durch und durch erschütternde Vorstellung, vor allem dann, wenn man selber der Lieblingsautor mancher Leute ist.) Dieselben Bücher kann man aber auch Menschen zur Verfügung stellen, die sie – um damit ein Argument auszuräumen, das von um ihre Umsätze besorgte Branchenmenschen kommt - eh niemals kaufen könnten.

Praktisch alle Verlage, auch die ganz großen, sind von dem Konzept angetan und machen bereits mit, mehr als 30.000 Bücher sind schon verteilt. Die Verlagsspenden sollen ergänzt werden durch private Buchspenden (erzählende Bücher laufen übrigens besser als Sachbücher), und vielleicht gibt es ja auch den einen oder anderen Autor, dem es geht wie mir, soll heißen: Man weiß irgendwann nicht mehr, wohin mit seinen Beleg-Exemplaren.

Selbstlos-logo

Ich zitiere mal einen Grundsatz von Selbst.Los!: 'Fundament der Stiftung ist die Überzeugung, dass das Menschenrecht auf Bildung und Kultur eine wesentliche Basis für den gesellschaftlichen Fortschritt ist.'

Weshalb ich, in einem Anfall wilder Entschlossenheit, die Schirmherrschaft für dieses Projekt übernommen habe. Was bedeutet, dass ich zukünftig alle Buchhändler mit dem Inhalt dieses Posts nerven werde. Hoffentlich charmant. Wir suchen nämlich noch vielerorts nach Vertriebswegen, sprich: Nach Buchhändlern, die, von den Verlagen beliefert, die Bücher an die Tafeln weiterreichen.
weiß

Lesungen, mal allgemein

Bis 2012 kann ich leider keine weiteren Termine für Lesungen annehmen. Der Steinhöfel ist hoffnungslos überbucht, alle Ausnahmen sind bereits ausgeschöpft, auch in Berlin ist nichts mehr drin. Die Absagen auf die fast täglich eingehenden Anfragen beanspruchen recht viel Zeit, was eigentlich nur ein Luxusproblem wäre, gäbe es da nicht die einen oder anderen Veranstalter, die trotz höflicher Darlegung der Gegebenheiten meinerseits mehrfach nachbohren (was mich ehrt), sich dabei mitunter aber im Ton vergreifen (was mich nervt) und teilweise sowieso ganz abstruse Vorstellungen von einer Lesung, respektive deren Honorierung haben (was mich überraschen sollte, es aber nicht tut). Vornehmlich an diese Veranstalter gerichtet, möchte ich meinem Unmut ein wenig Luft machen:

A) Ich kann niemandem den Glauben daran verbieten, dass ein Autor amöbengleich teilbar ist und somit an zehn Orten auf der Welt gleichzeitig sein kann, wenn er nur ein bisschen guten Willen aufbringt. Aber ich kann versichern: Ich hab’s probiert. Mit allem guten Willen. Dann ohne. Dann wieder mit … Es klappt nicht.


gnu-free-amoebe

B) Letztens wollte ich ein Konzert der Berliner Philharmoniker besuchen. Am Einlass hielt mich ein befrackter kleiner Mann auf und forderte freundlich Eintrittsgeld. Ich wies ihn ebenso freundlich darauf hin, so ein Konzert der Philharmoniker sei doch eigentlich bloß Werbung für ihre neueste CD, weshalb er mich also, bitte sehr, gefälligst umsonst einlassen möge. Wollte er aber nicht. Da wurde ich schon leicht ungehalten …

C) Dann argumentierte ich, ich habe ja nicht nur vor, die neue CD der Philharmoniker zu kaufen, sondern ich besäße auch ein paar ihrer älteren Scheiben und habe auch schon welche an Freunde verschenkt, mithin also längst ordentlich dazu beigetragen, dass die Kapelle sich dick und rund fressen könne. Half auch nicht.

D) Letzter Trumpf: Ich schmetterte dem Befrackten entgegen, ach, so sei das also – die Philharmoniker hätten Besucher ganz offenbar nicht mehr nötig? Er musterte mich, inzwischen weit weniger freundlich, und erwiderte: “Nun, ich kann mich nicht daran erinnern, Sie hier gesehen zu haben, als die es noch nötig hatten.”

E) Bin ich einer, der leicht aufgibt? Es müsse ja gar kein ganzes Konzert sein, schlug ich vor. Ich könne ja ein andermal wiederkommen, denn es würde mir völlig ausreichen - etwas Idealismus von Seiten der Musiker vorausgesetzt – ihnen einfach ein bisschen beim Probengeschrammel zuzuhören und mich ansonsten nett mit ihnen zu unterhalten. Das sei dann kein Konzert, weshalb sich der Eintritt doch sicherlich erübrige. Nein?

F) Ich wurde dann rausgetragen.

Eigentlich finde ich die Philharmoniker sowieso doof.
weiß weiß

Rico, Oskar und das lange Warten

Es war ursprünglich so gedacht, geplant und alles darauf ausgelegt, dass der dritte – und letzte – Band um Rico und Oskar diesen Herbst erscheint. Rundum feine Sache: Parallel dazu Taschenbuchstart des ersten Teils, das Weihnachtsgeschäft mitnehmen … und man ist ja als Autor auch immer ein bisschen sehr froh, wenn ein größeres Projekt endlich das Licht der Welt erblickt hat und man sich anderen Projekten zuwenden kann, auch wenn deren Größenordnung noch gar nicht feststeht oder abzusehen ist. (Dazu später mehr, in einem eigenen Eintrag.)

Es heißt, manchmal spiele das Leben derlei Spiele nicht mit, es kümmere sich nicht um Planungen, krempele sich sozusagen gelegentlich selbsttätig um und gerade das mache es ja so spannend – wer will heute schon wissen, was nächstes Jahr um diese Zeit bei ihm los ist? (Okay, manchen Menschen wollen genau das, weil Dynamik sie beunruhigt, aber wenn sie am Heiligabend ihre völlig absehbaren Weihnachtsgeschenke auspacken, tun sie trotzdem überrascht, was ein sicheres Indiz dafür ist, dass sie im Grunde ihres Herzens doch gern was Anderes hätten, vielleicht sogar Dynamik, nur dass ihr Herz halt ein Hasenherzchen ist, das schnelleres Schlagen nicht verträgt; man darf sie deshalb nicht verurteilen.)

gnu-free-modbecker
So ist das mit dem ungeplanten wie mit dem geplanten Leben: Es macht letztlich, was es will, sagt man. Keiner aber sagt: Der Tod spielt nicht mit bei der Planung. Man sagt stattdessen: Der Tod funkt dazwischen, oder dass er plötzlich und unerwartet kommt, auch wenn er jeden von uns irgendwann erwartet, selbst die dynamischsten Menschen, die diese Tatsache aber ebenso gern ausblenden wie die Planer, Hasenherzchen also auch sie, und auch sie wollen wir nicht verurteilen, zumal das erwartet sich eher auf das irgendwann bezieht und nicht auf die Tatsache des unabwendbaren Tods als solche.

Als im Dezember mein Lebensgefährte starb (unerwartet), war Schluss mit Schreiben. Das erste – lange – Kapitel von Rico 3 war längst fertig, der Plot komplett ausgearbeitet, ausnahmsweise, weil ich, genauso wie der Verlag, wissen musste, ob es bei drei Teilen bleibt oder doch ein vierter dazukommt, und es ist schon ein wenig kurios, dass ausgerechnet dieses erste Kapitel auf einem Friedhof beginnt. Was ich nicht erwähne, um den Fans einen Brocken hinzuwerfen oder um die Spannung zu steigern, sondern weil ich im Geiste schon die erste Rezension lese, in der steht, der Steinhöfel habe den dritten Rico als Trauerarbeit verfasst, und die dauere ja bekanntlich länger, nicht umsonst reimt sich Trauer auf Dauer, ein Jahr schwarz und so weiter.

gnu-free-xenophon3
Mitnichten, meine Lieben. Das Problem ist vielmehr dieses, dass die Figur Rico so dicht angelehnt ist an die Persönlichkeit meines Lebensgefährten, dass ich (leider immer noch) beim Schreiben einfach stocke, weil ich schreibend nicht den wieder lebendig machen kann, dessen Lebendigkeit Rico so auszeichnet. Ein zweites – langes – Kapitel habe ich im Februar beendet, testweise, nur um festzustellen, dass da inhaltlich zwar alles steht, was da stehen soll, diesem Inhalt aber jede Leichtigkeit und jeder Esprit fehlt.

So wird das wohl noch eine Weile gehen. Bis Ende Mai stehen Lesereisen ohne Ende auf dem Programm; ab Juni unternehme ich den nächste Schreibanlauf, mit dem Frühling im Rücken, den Frühsommer vor Augen und, hoffentlich, weniger Dunkel im Herzen. Wenn alles klappt, erscheint das Buch im Frühjahr 2011. Es erscheint dann weder plötzlich noch unerwartet, und nicht nur weil bald Ostern ist, widme ich es schon jetzt allen Hasenherzchen dieser Welt.
weiß weiß