Montag, 31. Dezember 2007

Rutschen

Auf einen perligen Jahreswechsel, und möge heute Nacht niemand so feste fallen, wie er feiert! Allen Lesern dieses Blogs wünsche ich ein glückliches, gesundes neues Jahr!


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Freitag, 14. Dezember 2007

Klassisch vergeigt

Zwischen den Jahren werde ich ganz bestimmt nicht früh aufstehen, um die Ausstrahlung von KLASSIK FÜR KIDS mitzukriegen. Der Vierteiler trägt inzwischen - der WDR hat sich für die Zielgruppe extrem weit aus dem Fenster gehängt - den geradezu waghalsigen Titel Abenteuer Klassik. Ein passender Untertitel könnte lauten: Wie man aus hundert Zuschauern zwanzig macht. Von denen wiederum nur zwei sich zu nachtschlafener Zeit (Mensch, ausgerechnet dieses Jahr sind um diese Zeit Ferien!) aus dem Bett quälen werden, um sich den Lohn unserer wirklich aufwändigen Arbeit anzusehen. Hier die Ausstrahlungstermine im WDR:
  • Teil 1: 27.12.2007, 09:05 Uhr
  • Teil 2: 28.12.2007, 09:05 Uhr
  • Teil 3: 29.12.2007, 09:10 Uhr
  • Teil 4: 30.12.2007, 09:00 Uhr
Und hier eines meiner Lieblingsbilder von Pierre Puvis de Chavannes. Es trägt den Titel Le rêve, könnte aber auch gut heißen Herr, lass Hirn regnen!


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Driving Home For Christmas

Die letzten Lesungen sind gehalten, Rico und Oskar habe ich diese Woche als Hörbuch eingelesen und jetzt geht es mit Volldampf an den Spielfilm, der 2008 das Kino-Weihnachtsfest verzieren soll. Weshalb ich das diesjährige Weihnachtsfest unter erschwerten Bedingungen feiern werde, denn das Treatment für den Film muss bereits Anfang Januar fertig sein. Großer Seufzer …

Ab Montag verziehe ich mich also in Klausur, genauer gesagt ins hessische Schreibhäuschen, vor den Kaminofen. Für gute Laune zwischendurch werden meine Familie sorgen, ein paar schöne alte Schwarzweißfilme auf DVD, gehörig viel Gebäck sowie das Verfassen eines mit eigenen Fotos versehenen Vademecums für Hobbygärtner und Gelegenheitsköche: 100 Zubereitungsmöglichkeiten für Maulwürfe (Kochen und Backen mit der Roten Liste, Band 1).

Allen großen und kleinen, alten und jungen Lesern dieses Blogs wünsche ich frohe und gesegnete Weihnachten!
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Freitag, 16. November 2007

Lesung im Dezember 2007

Von den vielen Lesungen in und um München in der ersten Dezemberwoche ist leider nur eine einzige öffentlich, der Rest sind geschlossene Veranstaltungen für Schulklassen. Fünf Tage lang wird Mister Moose starten und landen und wieder starten und landen … so auch bei diesem Event:

Dienstag, 4. Dezember – Allach-Untermenzing
Es ist ein Elch entsprungen
19 Stadtbibliothek, Pfarrer-Grimm-Str. 1

Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen, und um Anmeldung wird gebeten unter Tel. München, 189 32 99 25. Es gibt Punsch und Plätzchen – ha! Wenn das so weiter geht, werde ich schon lange vor Heiligabend aussehen wie ein von Diabetes bedrohter Lebkuchenmann.
Homepage Andreas Steinhöfel

Donnerstag, 15. November 2007

Elchlandung im Filmpalast am 2. Dezember

Am 2. Dezember wird in einer Adventsmatinee Es ist ein Elch entsprungen im Berliner Filmpalast aufgeführt. Nähere Infos dazu gibt es beim Kinderkinobüro des JugendKulturService Berlin. Die Vorstellung beginnt um 11 Uhr, gereicht werden Gebäck und Punsch und ich. Außerdem ein Engel mit Harfe. Eine Reservierung ist erforderlich.

Kleines Update: Es sind nur noch knapp 50 (Stand: Freitag, 16. November) von den insgesamt 463 Plätzen im Filmpalast zu haben. Wird wohl sehr voll. Ich nehme mein Sauerstoffzelt mit.


Auch wenn ich den Film nicht besonders mag (das von mir und Andreas Bradler verfasste Drehbuch wurde ohne unser Wissen massiv umgearbeitet), folge ich der Einladung zur Vorführung des Streifens und zum anschließenden moderierten Gespräch. Schließlich weiß ich, dass die Dötzeken den Film mögen. Weshalb ich mich auch nur liebreizend darüber äußern, Autogramme geben und Ministollen futtern werde, um mich gleich im Anschluss nach Tegel zu verpunschen. Also, verdrücken jetzt. Da wartet dann ein echter Flieger, um mich nach München zu verbringen, bringen oder mich nach München umzubringen. Wo jedenfalls meine letzte diesjährigen Lesewoche stattfindet.

Der getreue Mister Moose fliegt übrigens (fast) täglich vom 1. bis 23. Dezember durch insgesamt dreiundzwanzig Berliner Kinos, jeweils vormittags und nachmittags. Der Eintritt beträgt 3 Euro, bei Gruppen ab vier Personen 2 Euro und für Schulklassen 1,50 pro Nase. Genaue Termine und Spielstätten finden sich hier. Bisher gibt es über 3000 Anmeldungen.

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Mittwoch, 14. November 2007

Rico

Bevor ich es vergesse: Hier ist der versprochene Rico, in seinem geliebten Nachdenksessel, der nicht von ungefähr so aussieht wie das Haus, in dem Rico lebt. Die Illustration stammt von Peter Schössow, und bei ihm liegt selbstverständlich auch das Copyright für dieses hübsche Bildchen. Am schönsten ist das Cover geworden, das ich allerdings hier nicht publiziere. Ein bisschen spannend soll's ja bleiben. Vorab-Exemplare von Rico, Oskar und die Tieferschatten für den Buchhandel und für Rezensenten erscheinen noch vor Weihnachten; meine geschätzten Leser müssen sich bis Ende Februar 2008 gedulden, wenn sie das Buch lesen möchten.


"Wenn ich auf etwas warte oder sonst nicht weiß, was ich gerade machen soll, setzte ich mich im Wohnzimmer in den Nachdenksessel. Man kann sich darin Geschichten mit Helden wie dem O und seinem Holzpferd ausdenken oder man überlegt sich wichtige Fragen, zum Beispiel, ob Miss Jane Marple jemals Mister Stringer heiraten wird."
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Lesungen im November 2007

Wer mich kennt, der weiß, wie wenig ich Lesereisen mag. Nicht etwa die Lesungen an sich – die machen fast immer riesigen Spaß (wenn man nicht gerade in mittelschwere Hormonstürme schwer pubertierender Jugendlicher gerät) und irgendwo muss man ein unmittelbares Feedback schließlich herholen. Nee, es ist das elende Drumherum … Bahnfahren zum Beispiel ist selbst ohne Streiks nicht wirklich lustig. Und jede Nacht ein anderes Bett fand ich schon als Nicht-Autor wenig erstrebenswert. Inzwischen mache ich das professionell und mein Rücken es nicht mehr mit. Großer Seufzer …

Wie auch immer: Hier kommen die Termine für die wenigen öffentlichen Lesungen Ende dieses Monats. Dezember wird nachgereicht.

Montag, 19. November – Tostedt
Defender, Die Mitte der Welt
19 Bücherei, Schützenstraße 26

Donnerstag, 22. November – Holzminden
Die Mitte der Welt, Der Damm
19 Stadtbücherei, Obere Straße 30

Freitag, 23. November – Stadthagen
Die Mitte der Welt, Der Damm
19 Stadtbücherei, Obernstraße 44
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Mittwoch, 17. Oktober 2007

Lesungen im Oktober 2007

Bei den bis Weihnachten anstehenden Lesereisen werde ich, wie immer, zumeist unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf die armen Dötzeken losgelassen. Aber keine Regel ohne Ausnahmen: Hier kommen (reichlich spät, sorry) die Termine für die öffentlichen Lesungen im Oktober 2007:

Freitag, 19. Oktober – Mannheim-Neckarau
Der mechanische Prinz, Kurzgeschichten
19 – 23, J.-S.-Bach-Gymnasium, Luisenstraße 27

Samstag, 20. Oktober – Freiburg
Der mechanische Prinz, Kurzgeschichten
19 – 23 Kolping-Kolleg, Hildastr. 39

Montag, 29. Oktober – Aachen
Mitte der Welt
14.30 Theater Aachen (nur nach Anmeldung)

Dienstag, 30. Oktober – Aachen
Der mechanische Prinz
9.30 Öffentliche Bibliothek Aachen, Couvenstr.15
11 Öffentliche Bibliothek Aachen, Couvenstr.15

Im November werde ich für die Büchereizentrale Lüneburg unterwegs sein. Zwischen dem 19. und 23. 11. finden auch einige Abendlesungen statt, allerdings stehen die genauen Anfangszeiten bisher nicht endgültig fest. Werden nachgereicht ...
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Dienstag, 16. Oktober 2007

Was macht der eigentlich die ganze Zeit?

Und immer noch zu wenig Luft und zu viele Termine, um hier endlich mal wieder ausführlichere Gedanken zur Lage der Nation darzulegen. Zuletzt ist die schöne neue Welt dann doch immer schneller als ich … Vorerst müssen also einige Updates zum Autorenschaffen reichen. Ist ziemlich viel geworden, woraus sich auch die Vernachlässigung des Blogs erklärt. Here goes …

Rico, Oskar und die Tieferschatten werden ab Ende Februar 2008 im Buchladen Ihres Vertrauens stehen. Es ist hoffentlich ein kleiner Buchladen mit freundlich-kompetentem Personal. (Mein letztes traumatisches Erlebnis in einem dieser verketteten Lektürekaufhäuser liegt eine Weile zurück. Ich wollt ein Buch von Umberto Eco bestellen und wurde von der Verkäuferin gefragt, ob der sich mit "c-k" schreibt.)



Die Tieferschatten bilden den Auftakt zu einer auf vier Bände angelegten Reihe um Rico, der ein Kreuzberger Förderzentrum besucht und sich selber als tiefbegabt bezeichnet, und den kleinen Oskar, der hochbegabt ist und das Leben unter einem blauen Motorrad-Sturzhelm hervor beobachtet – alles viel zu gefährlich da draußen. Peter Schössow, der ursprünglich nur das Titelbild gestalten sollte, war von der Story so angetan, dass er den Verlag zu durchgehenden Illustrationen genötigt hat. Bisher habe ich nur ein einziges der den einzelnen Kapiteln vorgesetzten Bilder zu Gesicht bekommen und verspüre seitdem den dringenden Wunsch, den Schössow zu knutschen. Besagtes Bild und vielleicht das erste Kapitel aus den Tieferschatten würde ich gern hier im Blog online stellen, warte aber noch auf grünes Licht von Carlsen und Schössow.

Damit zu den Neuauflagen: Heute flatterten die Belegexemplare für den alljährlichen Nachdruck von Es ist ein Elch entsprungen ins Haus. Wie hoch die Auflage auch sein mag, spätestens Anfang Dezember wird der Titel wieder vergriffen sein. Wie immer. Da das Buch an die Weihnachts-Saison gebunden ist, lohnt sich für den Verlag nämlich ein später Nachdruck nicht - die Lagerkosten bis nächstes Jahr um diese Zeit wären zu hoch. Und nun ratet mal, wer sich deshalb regelmäßig von erzürnten Lesern beschimpfen lassen muss? Hmpf ... Gute Kunde hingegen, was den Beschützer der Diebe betrifft.



Ich freue mich vor allem über das hübsche, modernisierte Cover. Es stammt von Regina Kehn, die in Zukunft alle meine Taschenbücher auf eine gemeinsame optische Linie bringt - worüber ich mich tierisch freue! Der neue Einband zu Paul Vier und die Schröders, der im März nächsten Jahres dem Beschützer von dtv nach Carlsen folgt, sieht dann so aus (wer das Buch kennt, beachte bitte die leicht abgehobene Sabrina - zum Vergrößern einfach anklicken):



Aus der Ecke mit den Hörbüchern gibt es ebenfalls Neuigkeiten: Im Handel erhältlich ist inzwischen Paul Vier, eingelesen von meiner Wenigkeit – es gibt Späße, die lässt man sich einfach nicht nehmen. Beschützer der Diebe folgt nächstes Frühjahr (in einer von mir eigenhändig gekürzten Version) auf vier CDs. Einlesen wird den Titel der von mir hoch verehrte Gustav-Peter Wöhler, der sich momentan auch mit Es ist ein Elch entsprungen abmüht, damit Mister Moose noch rechtzeitig zu Weihnachten einmal mehr vom Himmel fallen darf. Selber werde ich Anfang Januar wieder im Studio sitzen, damit der (ungekürzte) erste Band um Rico und Oskar parallel zum Buchstart als Hörbuch in die Regale kommt.

Zwei Übersetzungen stehen noch aus. Zur ersten darf ich noch nichts sagen, außer dass es sich um die Fortsetzung eines absoluten, extrem beliebten Kinderbuch-Klassikers handelt. Die zweite Übersetzung wird der in Amerika noch druckfrische neue Roman von Jerry Spinelli sein.


Ich bin ziemlich erleichtert darüber, dass Spinelli so lange für das Buch gebraucht hat – sonst hätte ich aus Zeitmangel absagen müssen, und wie sähe das denn aus? Er ist, neben MEG ROSOFF, einer meiner Lieblingsautoren. Sechs Titel von ihm habe ich inzwischen ins Deutsche übertragen, und es wird nie langweilig. Sein neues Buch wird in Deutschland allerdings erst 2009 erscheinen.

Klassik für Kids, so der Arbeitstitel einer TV-Doku für den WDR über das Bundesjugendorchester, heißt immer noch KLASSIK FÜR KIDS. Habe gestern eine Liste mit Titelvorschlägen an die Redaktion gesandt, von denen hoffentlich bald einer meine Drehbücher und damit dann auch diesen recht aufwändigen Vierteiler ziert.



Im Schneideraum wird gerade an den beiden letzten Folgen gewerkelt. Als Sendetermin ist Weihnachten bzw. zwischen den Jahren angepeilt; sollte sich keine für das Format geeignete Ausstrahlungszeit mehr finden lassen, wird auf Ostern 2008 ausgewichen. Schön geworden …

Löwenzahn wird dieses Jahr mit zwei Skripten zu Buche schlagen. Die vom ZDF noch unter Verschluss gehaltenen Themen für die neue Staffel sind verteilt. Eins davon hab ich mir selber ausgesucht, das andere nach, ehm … gutem Zureden durch die Produzenten angenommen. Technik ist ja nun echt nicht mein Ding, aber die Redakteure wollten mir das nicht glauben. Werden schon sehen, was sie davon haben …



Zuletzt wartet ein Spielfilm für die große Leinwand auf sein Drehbuch. Weihnachten 2009 soll er auf die Dötzeken losgelassen werden; das Skript ist Ende Januar fällig. Und ich bin es dann wahrscheinlich auch.

Falls ich überlebe, wird bis Ende März 2008 auch noch ein Bilderbuch fertig sein. Wagner bin ich gemeinsam mit meinem Bruder Dirk angegangen. Ich hab den leichteren Teil der Arbeit erwischt, denn ich verfasse nur den Text. Und danach… mache ich erst mal Pause, stülpe den Garten rund ums neue Häuschen um, jage Maulwürfe, und wenn mich der Teufel reitet, beende ich dort in lauen Frühsommernächten endlich Das Haus in der Marsch sowie Der Damm, den vor Jahren auf Eis gelegten Titel für die Belletristik.
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Freitag, 7. September 2007

Kurzes Auftauchen

Tja, das hat man dann davon: Seit ich einen Providerwechsel für Telefon und Internet angemeldet habe, hat die Telekom mich kurzerhand schon mal rausgeschmissen. Jetzt führe ich seit Wochen ein digitales Nomadendasein zwischen Internet-Cafès und Freunden mit Netzzugang, und meine Handyrechnung wird sich auf eine Millionen Euro belaufen, allein für August und September. Der neue Provider hat sich damit längst als ebenso kundenfreundlich erwiesen wie die Telekom, was mich irgendwie nicht weiter überrascht. Na denne ...

Es gibt einiges nachzutragen. Leider lauert nach wie vor aber auch einiges an Arbeit auf mich. Vor dem 20. September wird es daher vermutlich nichts mit der längst fälligen Blog-Reanimation. Die Klassik-Doku hängt in einer recht umfangreichen Schnitt-Schwebe und ich mittendrin. Neue Löwenzähne müssen gewässert werden. Ein Umzug steht an für nächste Woche - Klamotten aus Berlin ins fertige Häuschen in Hessen, vor allem Bücher. Ab Oktober gehen die Lesereisen wieder los, und vorher muss ich es schaffen, eine neue Waschmaschine zu kaufen. Miele diesmal. Nie wieder Bauknecht!

Das Skript für das neue Kinderbuch liegt inzwischen, fertig lektoriert, bei Carlsen. Ein Leseexemplar für Presse und Buchhändler erscheint im Dezember. Speziell dazu gibt's demnächst natürlich einen extra Eintrag. Und dieser hier schließt sich - wollte nur ein kurzes Lebenszeichen von mir geben.

Grüße nach draußen!
Abstand

Montag, 16. Juli 2007

Rolle rückwärts

Erst denke ich noch: Na, nun sind die wohl auch endlich übergeschnappt! Strahlt mir doch von der vorhin käuflich erworbenen PRINZENROLLE der Poldi entgegen. Ich erkannte ihn sofort wieder. Die Fußball-WM ist ja gerade mal erst ein Jahr her und seinerzeit hätte ich jeden deutschen Spieler beim Namen rufen können. Jedenfalls jeden einigermaßen gut aussehenden.

Der Poldi also: Hat sich per Autogramm auf der Prinzenrolle ("Nur mit Prinzen werden Märchen wahr") verewigt, und das ist ja an sich erst mal ganz nett und wohl auch recht lukrativ. Andere Fußballer schaufeln öffentlich Nutella in sich rein und die beiden dicken russischen Boxer stopfen sich mit Kindermilchschnitten voll. Aber das ist an dieser Stelle gar nicht weiter wichtig; Konsumkritik liegt mir fern, zumal ich ja ein bekennender Ferrero-Fan bin.


Nein, wirklich wichtig ist, dass man ein "exklusives Training" mit dem Poldi gewinnen kann, wenn man einen auf der Doppelkekspackung prangenden Code im Internet einlöst! Ich halte Kundenködern mit dem Versprechen auf ein exklusives Herumgerolle mit dem Poldi zwar nicht für jugendfrei, aber der Werbung ist ja bekanntlich nichts heilig, und da ich den Code nun schon mal hatte … War aber nix. Hätte mich auch gewundert, offen gestanden, wenn bei 35 Millionen pro Jahr verkauften Prinzenrollen ausgerechnet die meine mir einen Fallrückzieher mit dem putzigen Bayern-Spieler verschafft hätte.


Zum Trost verlinkte mich die Webseite zum Poldi-Blog, den man wohl extra für die Geroll-Verlosung ins Leben gerufen hat. Der erste von ganzen sieben Einträgen datiert vom 1. März, verfasst von irgendeinem Pradministrator (sic - you're so funny!), der mich unter anderem wissen ließ: Dass es eine die Aktion begleitende TV-Kampagne gibt (ich gucke keine Werbung, außer Ferrero), dass ich zu besagtem Training sogar einen Freund hätte mitbringen dürfen (umso ärgerlicher, dass ich den unpassenden Code hatte) und dass wohl mal die Veröffentlichung von "Stürmertipps" angedacht waren (kein rechtsradikaler Hintergrund), welche ich aber nirgends entdecken konnte.



Der Poldi selber hat übrigens lediglich einen der insgesamt sieben Blog-Beiträge verfasst, nämlich den letzten. Am 11. Juni jammert er wegen einer Beinverletzung herum, von der ich gar nicht wissen will – oder eigentlich doch – wo und wie er die sich zugezogen hat. Er bedankt sich aber auch bei seinen zahlreichen Fans für die Genesungswünsche. Davon gibt es im Blog immerhin um die zehn, und wer Lust hat auf ein kleines masochistisches Abenteuer in Sachen Rechtschreibkultur mag sich dort umschauen. Einer der letzten orthographisch unauffälligeren Kommentare stammt von einem gewissen Christian:

Hey cooler Blog. Ich will ja nicht meckern, aber es wird echt mal Zeit die Klamotten zu wechseln. Du trägste seit 3 Monaten das gleiche Outfit. Guck dir mal die Bilder hier deinem Blog an.

Christian, du hast den Sinn dieser ganzen Aktion nicht verstanden: Der Poldi zieht sich erst ganz am Schluss aus, wenn der Gewinner feststeht.
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Donnerstag, 5. Juli 2007

Freischwimmer

Sie nennen sich Freestyle4Xperts und haben zunächst am Staatstheater Hannover, zuletzt beim 18. Bundestreffen "Jugendclubs an Theatern" in Regensburg die Mitte der Welt auf die Bühne gewuchtet. Ercan Carikci, einer der sieben Akteure, hat unlängst zu diesem Anlass eine kleine Wagenladung selbst produzierter CLIPS ins Netz gestellt. Leser des Romans, die ihre imaginierten Helden mit den Schauspielern vergleichen möchte, können letztere in mit Musik unterlegten Bilderreihen Revue passieren lassen: How do you spell SEXY?


Dass das Stück unter der Regie von Marco Stormann offenbar gut ankam, zeigen Auszüge aus einigen Kritiken:

Viel Mut bewiesen auch die Darsteller: Mut, diese vielschichtige und verzwickte Handlung auf die Bühne zu bringen; Mut, sie dem jungen Publikum anspruchsvoll zu präsentieren; Mut zu dynamischer Bühnenpräsenz und nackten Tatsachen einerseits und zu intimen, leisen Szenen andererseits. (CORDULA BÖLL)

Dieses Team theaterverrückter Spieler erzählt ganz einfach von den schwierigen Ungewissheiten der Liebe, aus der Frische des eigenen Erlebens heraus. Sie tauchen tief ein in die Sehnsüchte der Figuren, lassen ihre Körper im Liebesspiel tanzen. Und weil es in der Liebe stets ums Ganze geht, riskieren die Spieler auch auf der Bühne alles – und gewinnen das Herz des Zuschauers. (…) Hier wurde auf Augenhöhe über Theater nachgedacht und menschliches Erleben erforscht. So wach, so engagiert, so professionell geführt, kann Jugendtheater sein. (FRANZ MESTRE)


Der Autor hört's und freut sich! Und weil er es im Frühjahr zur Premiere aus Termingründen nicht geschafft hat, guckt er sich den Spaß nun im Oktober an: Voraussichtlich am 21. und 22.10. wird das Stück in Hannover nochmals aufgeführt.
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Sonntag, 1. Juli 2007

Die Null und das Nichts

Das ständig um neue Positionierungen bemühte Berliner Künstler-Kollektiv FMSW, von mir bereits an anderer Stelle in diesem Blog gewürdigt, ist aus Afrika zurückgekehrt. Oder vielmehr von jener Stelle vor der afrikanischen Küste, wo GREENWICH sozusagen auf den Äquator trifft oder, um es exakter auszudrücken: Wo der geographische LÄNGENGRAD und BREITENGRAD mit dem jeweiligen Wert 0 sich kreuzen. Diesen Nullpunkt hatte nämlich, wie FMSW aufgefallen war, bisher noch kein Mensch je markiert – was auch ein bisschen schwierig ist, liegt diese Stelle doch im tiefen, tiefen blauen Meer: Rundum Gewelle und Gewoge, da fällt ja nun auch wirklich kaum etwas auf, schon gar keine Null. Weshalb die Viererbande sich zunächst per Containerschiff und zuletzt mit einem Schnellboot an jene Kreuzung verfrachten ließ, um dort am 11. Juni dieses Jahres eine aus Edelstahl gefertigte Kugel zu versenken. Durchmesser 25 Zentimeter, Dicke 3 Zentimeter, Inhalt der für die zu erwartende Tiefe somit drucksicheren Kugel: Nichts. Oder besser gesagt: Ein VAKUUM.


Ein Brief meines Freundes Marcel, geschrieben am 25. Mai bei Position N 04'33'137 und W 002'20'067 , erreichte mich vergangene Woche. Zunächst ein Auszug zu den Annehmlichkeiten des Bordlebens:

Reisen per Schiff ist eine tolle Sache, die ich dir sehr ans Herz lege. Man hat so unglaublich viel Zeit für all das, für was man NIE Zeit hat. Lesen, Denken, Dämmern und immer wieder zum Horizont schauen, denn was anderes ist kaum da, oder auf die Brücke gehen, die Position überprüfen. Es gibt aber auch ein wenig Ablenkung, wenn man sie braucht. Es gibt einen Golfabschlagplatz, was ich sehr toll finde, leider habe ich bestimmt schon 20 Bälle direkt über das Fangnetz ins Meer geschossen, aber es sind noch genügend da ...


Falls nicht einer dieser verballerten Bälle von allein zum Nullpunkt fand, von einer launischen Meeresströmung gelenkt oder, ähnlich wie in David Wiesners wunderbarem Bilderbuch STRANDGUT von Seepferdchen oder Walfischen transportiert, bleibt ja immer noch die ihn inzwischen markierende FMSWsche Kugel:

Es ist eine ganz tolle Kugel und es wird uns allen sehr Leid tun, sie ins Wasser zu werfen, wo sie auf 5000 Meter absinken wird und dort wohl bis in alle Ewigkeit liegen bleibt, wenn nicht der Klimawandel eine Umwandlung des Golf von Guinea zur Wüste zur Folge haben sollte, was ich nicht glaube, aber dann würde sie wieder zum Vorschein kommen. Laut Berechnung braucht sie, um unten anzukommen, mindestens 20 Minuten, bei einem Gewicht von 40kg finde ich das sehr lange. Sag, das denke ich gerade, wann haben wir uns eigentlich das letzte Mal gesehen?


"Unsere Reise zum Nullpunkt", erklärten FMSW der TAZ, "ist eine Expedition zu einem Konstrukt, das mittels der Markierung in einen realen Ort überführt wird." Das wird den Anhängern der Röhrenden-Hirsch-Fraktion mal wieder nicht gefallen. Aber mir gefällt die Vorstellung, dass da ein Containerschiff über den GLOBUS schippert mit Marcel drin, der seine Tasche dabei hat mit einer Kugel drin mit einem recht sinnvollen Nichts drin.
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Sonntag, 24. Juni 2007

Strandgut

Mit dem Urlaub verhält es sich ein wenig wie mit dem Erklimmen der Tische in Der Club der toten Dichter: Ein Ortswechsel verändert radikal die Perspektive. Am Prerower Ostseestrand auf dem Darß tummelten sich jedenfalls dermaßen viele Familien mit Dötzeken im Vorschulalter, dass man an den demoskopischen Niedergang der BRD gar nicht mehr recht glauben wollte. Und auch nicht daran, dass die Dötzeken allenthalben von ihnen hinter der nächsten Düne auflauernden pädophilen Monstern bedroht sind. Die anwesenden Eltern zumindest nahmen es gelassen und ließen ihre Nachkommen mit nackten, lediglich UV-geschützten Popos über den silbernen Sand flitzen. Hat Spaß gemacht, die bekannten Kinderrituale zu beobachten: Sandburgen bauen, mit Förmchen backen, Quallen durch die Gegend werfen, Muscheln sammeln und zwischendrin ein bisschen verzweifelt gucken, weil man nicht weiß, wohin mit dem Pipi – im Zweifelsfall die speckigen kleinen Beine runter ins ohnehin schon reichlich vorhandene, erstaunlich blaue Wasser.


Schon merkwürdig, was die bewusste Enthaltung von Nachrichtenmagazinen und der Tagesschau, gepaart mit Wellenrauschen und dem Beobachten vom Wind getragener Möwen mit einem anrichtet: Man empfindet das Leben plötzlich als dermaßen normal, dass man sich selber geradezu zwangsläufig unnormal vorkommt - ein winziger Ausschnitt des durchgedrehten Globus verwandelt sich in überschaubare heile Welt und schafft damit eine beunruhigende emotionale Gemengelage. Welcher man am besten durch einsames Wandern im Nationalpark entkommt … oder durch das Sammeln von Steinen am Weststrand der Insel: Kilometerweit den rauschenden Wassersaum ablatschen, den Blick nach unten gerichtet, den Nacken verbrannt, ohne verlaufene Zeit oder zurückgelegte Entfernungen wahrzunehmen. Am ersten Tag: alles einsacken, was einem vor die Flinte kommt. Zweiter Tag: unter Zuhilfenahme von vor Ort erstandener Fachliteratur detailliertere Suchkriterien festlegen. Dritter Tag: alle liegen lassen, was man am ersten Tag noch begeistert eingesackt hat, weil man sich jetzt auf Seltenes kapriziert hat innerhalb des Winzgerölls, das mit der letzten Eiszeit aus Skandinavien bei uns angegletschert wurde. Feldspat, Quarz und Glimmer, die drei vergess ich nimmer – neues Hobby! Brüderchen Dirk spart jetzt auf eine Steintrommel, damit wir unsere schönsten Beutestücke polieren können.


An Arbeit war zwischen Kinderpopos und Växjö-Granit nicht zu denken, sie war ebenso weit weg wie die Dünenmonster, weshalb der mitgeschleppte Laptop lediglich zum Archivieren täglich geballerter Fotos benutzt wurde. Die ich mir jetzt anschaue, wenn mich das Fernweh packt am heimischen Schreibtisch, an welchem meiner harret: Das Verfassen der ersten zwei der insgesamt vier Drehbücher für die WDR-Klassik-Doku (die bisherigen Dreharbeiten haben riesigen Spaß gemacht; ab Mitte August, wenn alles im Kasten ist, an dieser Stelle mehr dazu), das Einschleusen des neuen Kinderbuchs in die – natürlich verspätete – Endrunde, und zwischendurch immer mal wieder Nachdenken über die Einrichtung der Schreibklause auf dem Lande, denn langsam wird's Zeit für die Innenausstattung. Falls jemand eine gute Adresse für alte Möbel, speziell schlichte Esstische aus Massivholz weiß: Bitte an mich durchgeben!
(Absatz)

Samstag, 5. Mai 2007

Abwege

Wegen der anstehenden Lesereisen und Dreharbeiten werde ich in den nächsten vier Wochen vermutlich nur selten oder gar nicht (Erschöpfung! Erfrischungstücher! Eau de Cologne!) dazu kommen, den Blog zu aktualisieren. Versuchen will ich es trotzdem, gerade wegen der Dreharbeiten. Hab ich in dieser Form und Funktion noch nicht mitgemacht, also wird das sicher (Kaffee! Lampenfieber! Toilette!) recht aufregend. Da ich zwischendurch, Pfingsten zum Beispiel, in Hessen logiere, um gemeinsam mit meinen Brüdern endlich dem geliebten neuen HÄUSCHEN den letzten Schliff zu verpassen, findet sich vielleicht tatsächlich etwas Zeit; mal sehen.



In der Zwischenzeit erbarmt sich Blogger.com vielleicht, endlich mal die verballerten Archiv-Links, die seit geraumer Zeit alle Monate in englischer Sprache ausweisen, unter die Lupe zu nehmen. In den Foren häufen sich entsprechende Anfragen besorgter User und Formfetischisten, die befürchten, ihre Blogs seien gehackt worden.

Hab ich sonst noch Sorgen? Momentan nicht ... Ich gehe jetzt Erfrischungstücher kaufen.
Abstand

Klassik für Kinder

So lautet der Arbeitstitel der vierteiligen Dokumentation, für die mich AVE verpflichtet hat. Die Idee, eine solche Reihe zu produzieren, geisterte dort schon länger durch die Köpfe, zuletzt fehlte es nur noch an einem tragfähigen Konzept. Mit dessen Entwicklung wurde vergangenes Jahr ich beauftragt, anschließend wurden mir auch die Drehbücher angeboten. Der WDR fungiert als Auftraggeber, und in etwa wird der ganze Spaß so aussehen: Ab übernächster Woche reisen Regisseur Andreas Morell und ich mit einem kleinen Aufnahmeteam durch die Lande und besuchen vier Jugendliche, je zwei Mädchen und Jungen, die wir bereits im Herbst 2006 und Winter 2007 gecastet haben. Sie alle spielen – die einen schon länger, die anderen ganz neu – im Bundesjugendorchester mit, jener altehrwürdigen Institution, die als Abschussrampe für zukünftige Musikerstars gilt. Anders gesagt: Jeder der vier Jugendlichen (übrigens einer aus jeder Instrumentengruppe) füllt mit seinen jungen Jahren schon ungefähr einen halben Kilometer Wikipedia.



Die Doku wird sie begleiten: Vom ersten Vorspielen und der Aufnahme ins Bundesjugendorchester, über die anstrengenden Proben bis hin zum ersten gemeinsamen Konzert, das diesen August im Rahmen von Young Euro Classic in Berlin stattfinden wird. Dazwischen gibt's einiges Privates aus dem Leben der Protagonisten, die sozusagen ein Doppelleben führen, nämlich als Schüler und als Musiker, was man ja irgendwie unter einen Hut kriegen muss. Und weil die Sendung vor allem Kinder und Jugendliche ansprechen soll, die klassischer Musik - weil vermeintlich uncool - bisher noch nichts abgewinnen konnten, wird es in jeder Folge einige Einspieler geben, die sich an das Thema herantasten: Über Klassik im Alltag, über Instrumente und Noten, über Gerangel und Platzhirschkämpfe im Orchester, über das Orchesterstück, das eingeübt und schließlich zur Aufführung gebracht wird.


Da das Bildmaterial erst noch gedreht wird, liegen auch noch keine fertigen Drehbücher vor, sondern lediglich ausgefeilte Treatments. Damit wir uns möglichst nah an diesen entlang hangeln können – fast alle Infos zu dem, was sie sehen, werden die Zuschauer aus dem Off direkt von den vier Jugendlichen erhalten – übernehme ich die DIALOGREGIE. Die Kids werden sich also von mir Löcher in die Bäuche fragen lassen müssen, und wenn sie nicht so antworten, wie der Autor das will, fangen wir wieder von vorne an, und wenn's dann immer noch nicht klappt, werden sie mit Schimpf und Schande aus dem BJO entlassen und dürfen demnächst vor Karstadt fiedeln. Ich freu mich drauf!



Nach dem Abschlusskonzert am 6. August ist - bis auf eventuelle Nachdrehs - alles so weit im Kasten, dass bis Mitte September fertig geschnitten werden kann. Rechtzeitig zu Weihnachten laufen die vier halbstündigen Teile der Doku dann in der ARD, damit es nächstes Jahr zu Weihnachten Blockflöten und Viertelgeigen unter den Bäumen regnet. Selber wünsche ich mir eine Triangel. Mann muss bescheiden anfangen …
Abstand

Samstag, 21. April 2007

Nomina nuda tenemus

Es gibt Tage, da liest man Nachrichten und kann nicht so viel essen, wie man, ehm, gleich wieder ausspeien möchte. Also sieht man schnell von den Nachrichten weg, zum Beispiel zu Boden. Was man besser lassen sollte, denn da liegen ja nun all diese kleinen Bröckchen rum. Und wie das so ist mit der Faszination des Ekels: Man guckt die Bröckchen an und überlegt, dass es eigentlich noch nie eine wirklich freundliche Bezeichnung für sie gab. Also versucht man, sich eine auszudenken.

Als Kind seiner Zeit muss man dabei POLITISCH KORREKT vorgehen. Ein hellgrünes Bröckchen soll sich zum Beispiel nicht benachteiligt fühlen gegenüber einem senfgelben, große Brocken dürfen kleineren nicht vorgezogen werden, und man tut gut daran, sich zu eventuell verschiedenartigen Konsistenzen gar nicht erst zu äußern. Die Bezeichnung darf außerdem in keinster Weise herablassend oder gar diskriminierend wirken; gleichzeitig sollte sie – entgegen der politisch korrekten Gepflogenheit, für knappe Sachverhalte unglaublich lange und verschwurbelte Umschreibungen zu verwenden – auch kurz sein und griffig, damit sozial oder intellektuell benachteiligte Menschen mit nicht ausreichendem Bildungshintergrund sie ohne angestrengtes Nachdenken ebenfalls verwenden können.



Im ersten Benennungs-Anlauf scheiterte ich kläglich und beschloss zuletzt, das Elend erstmal mit dem Putzlappen zu beiseitigen. Aber vorhin, beim Einkaufen, fiel mir endlich eine richtig gute Bröckchen-Bezeichnung ein! Und zwar, als ich kurz mit der Kassiererin sprach, einer älteren Dame, die sichtlich Probleme damit hatte, eine Plastiktüte fürs Gemüse auseinander zu pfriemeln – Rheuma in den Fingern und Gelenken, aber es gehe mal so, mal so, erklärte sie. Nach längerer Arbeitslosigkeit sei sie vergangenen Dezember von einer Zeitarbeitsfirma an ihren derzeitigen Arbeitgeber vermittelt worden und sehr glücklich darüber, dass sie nun die kibbelige Sache mit ihrer Rente doch noch hinkriegt; immerhin sei sie schon sechzig Jahre alt. Ihre Rente wird sich in fünf Jahren, nach lebenslangem Arbeiten (natürlich abzüglich der Zeit, in der die gerissene Alte Rheuma simuliert und sozialschmarotzt hat) auf etwa 700 Euro belaufen. Da kann man, wie der Berliner gern sagt, doch echt nicht meckern! Und sich ruhig auf die billigen dritten Zähne beißen, wenn die Plastiktüten mal wieder nicht so richtig wollen.



Na ja, und während ich noch mit dieser Kassiererin in geteilter Freude über ihren wirklich geilen Job und ihr fettes, mit der Zeitarbeitsfirma schwesterlich geteiltes Einkommen um die Wette strahlte, kam mir urplötzlich eine wunderbar wertneutrale Bezeichnung für das hässliche Brockenwort in den Sinn. Kaum wieder zu Hause, habe ich soeben aufgeregt Google bemüht, um sicher zu sein, dass es ein originärer Name ist. Meine Enttäuschung ist groß – die Bezeichnung existiert schon. Und ob der geneigte Leser es nun glaubt oder nicht: Sie hat sogar eine eigene Homepage! Allerdings fehlt dort bisher noch ein Link zu jener Nachricht, wegen der ich heute Vormittag den Boden aufwischen musste. Der sei hiermit nachgeliefert.
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Neue Steinchen - Tooltips

Endlich habe ich ein Skript für die erweiterbare Konfiguration von TOOLTIPS gefunden, das mit dem ollen Blogger funktioniert. Im letzten Beitrag habe ich es bereits ausprobiert: Wer dort mit dem Mauszeiger über bestimmte Links fährt, dem teilt ein Kästchen mit, was ihn bei deren Anklicken ERWARTET. Andere Links sind blind und enthalten lediglich zusätzliche Infos zu meinem GESCHREIBSEL.

Um die Tooltips von ihren stinknormalen Kollegen abzugrenzen, habe ich mich dafür entschieden, sie durch Großbuchstaben zu markieren. Sie farblich voneinander abzugrenzen, wirkt nicht besonders hübsch und würde unter neuen Besuchern des Blogs wohl eher Verwirrung stiften. Großbuchstaben erlauben einen intuitiveren Zugang.




Das verwendete Skript hat leider einige Nachteile. Der Text innerhalb der Kästchen zum Beispiel lässt sich schlecht bzw. gar nicht formatieren. Mit moderneren Skripts ist das machbar - die erlauben sogar hübschen Schnökes mit der Darstellung der Kästchen (abgerundete Ecken etc.) oder die Verwendung von Sublinks - aber ich krieg's nicht hin, sie in Blogger einzubauen. In die Blogs von Wordpress lassen sie sich direkt als Widget einbinden – vielleicht nimmt sich irgendein Entwickler der Sache mal an und macht dergleichen auch für Blogger verfügbar.
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Mittwoch, 18. April 2007

Was wäre wenn

Von den ungezählten Büchern, die ich in meinen kürzlich abgeschlossenen drei Jahren als Juror für den Luchs gelesen habe, konnte gerade mal ein Händchen voll einen Dauerplatz in meinem Bücherregal erobern. Unter diesen Titeln befindet sich wiederum nur ein einziger, dem ich literarische Unsterblichkeit wünsche, nämlich Meg Rosoffs So lebe ich jetzt. Die Geschichte um ein Mädchen, das in jenem nächsten großen Krieg, der in unser aller Köpfen längst stattgefunden hat, zu überleben versucht, ist – unter dem Strich – von einer lakonischen und traurig-zarten Poesie, wie ich sie eigentlich nur von GEORGE ORWELL kenne.



Es ist bezeichnend für den deutschen Buchmarkt – oder besser gesagt: fürs deutsche Lesepublikum –, dass So lebe ich jetzt bei uns ausschließlich als Jugendroman durchgegangen ist, während der Roman in England wochenlang die belletristische Bestsellerliste anführte. Wir Deutschen brauchen eben unsere Schubladen; fatalerweise. Denn während öffentliche Diskussionen sich fröhlich um Krippenplätze oder den Schutz der Dötzeken vor den Gefahren des WWW, um Handyverbote und Killerspiele drehen, gestehen die Diskutanten ihren in rhetorische Geiselhaft genommenen Schützlingen gerade mal so viel Wert zu wie der für sie verfassten Literatur. Wenn man da überhaupt von Literatur sprechen kann, denn eigentlich ist das Kinder- und Jugendbuch doch kaum mehr als die Erweiterung der Grimmschen Märchen mit wenig kunstfertigen Mitteln: Kinder machen kann jeder, Bücher für sie schreiben auch; das Kind muss erzogen werden, das Buch soll erziehen, doch letztlich sind weder Kind noch Buch wirklich ernst zu nehmen - Schublade zu! Und wer mir an dieser Stelle gekränkte Eitelkeit unterstellt, versteht mich miss: Es geht mir einfach auf den Sack, dass die vermeintliche Würde und der Schutz und die Förderung von Kindern und Jugendlichen von denselben Politikern im Mund geführt wird, die durch bigottes wie halbherziges Handeln zu verstehen geben, dass ihnen diese Klientel in Wirklichkeit am wie auch immer parteipolitisch gefärbten Arsch vorbei geht. Die Bälger sollen später einfach bloß unsere Renten finanzieren, und vorher haben sie zu konsumieren, dass die Schwarte kracht - aus Max wird DAX, Kinder sind Zukunft.

Nein, ich wollte das nicht sagen. Ich wollte nicht derlei grobe Worte wählen in einem Blog, der auch von Schülern aufgesucht wird. Ich wollte eigentlich verlogen und quasi-totalitär, mit anderen Worten also: politisch korrekt bleiben, weil das als Haltung einfach zeitgeistmäßig schick ist, von Erziehungsberechtigten nicht geahndet und von der Gedankenpolizei nicht verfolgt wird.



Besser, ich kümmere mich wieder um Meg Rosoff. Ähnlich wie So lebe ich jetzt oder noch schlimmer wird es wohl auch Was wäre wenn ergehen, ihrem zweitem Roman, soeben bei uns erschienen und übrigens einmal mehr ins Deutsche übersetzt von Brigitte Jacobeit, einer Frau, die mit einer so luziden und dabei unaufdringlichen Präzision und Intuition arbeitet, dass dagegen 90 Prozent aller übrigen Übersetzer einfach kläglich absaufen. Was wäre wenn ist sperrig und erfordert konzentriertes Lesen. Das Buch pfeift in seiner Geschichte um das Phänomen der teenage angst auf gängige Erzählkonventionen und müsste, wenn es einen Gott gäbe, sowohl Goldings LORD OF THE FLIES wie auch Goethes WERTHER von den Leseplänen unserer Schulen fegen. Leider gibt es aber nur Annette Schavan, die für reformpolitische Frontalunfälle wie jenen, dass unsere Schulen immer noch der Bildungshoheit der Länder unterstellt sind, auch noch den Diesel liefert. Das stinkt.

Ich höre jetzt damit auf. Eigentlich gibt es keinen Grund für schlechte Laune oder gar Sarkasmus. Das Wetter ist wunderbar, das Leben ist schön, und die einzige mich momentan wirklich bewegende Frage ist die, ob ich heute noch zu LIDL den Hochland-Kaffee kaufen gehe oder mir morgen früh schon wieder Espresso reinpfeife.



Um abschließend zu Meg Rosoff zurückzukehren: Die Dame (jawohl: Dame! Ich habe selten eine beeindruckendere Frau kennen gelernt und mich selten auf Anhieb dermaßen verknallt) steckt mit ihren Büchern stilistisch wie inhaltlich so gut wie jeden derzeit schreibenden Jugendbuchautoren locker in die Tasche, allen voran den bis zum Abwinken gehypten Kevin Brooks.



"Ich glaube nicht an ein personifiziertes Schicksal, das unser Leben bestimmt", erklärt Rosoff in einem ausführlichen INTERVIEW, "aber Sie werden mich trotzdem nie dabei erwischen, dass ich unter einer Leiter durchspaziere." In Was wäre wenn lässt sie den 15-jährigen Justin nach einem ihn zutiefst verstörenden Schlüsselerlebnis – sein kleiner Bruder fällt aufgrund von Justins Unachtsamkeit beinahe aus dem Fenster – mit dem Schicksal ringen, und zwar wortwörtlich. Denn das Schicksal bekommt seine eigene Stimme, und wie das dann so geht: Es ist ein ausgewiesenes Miststück. Es setzt Justin auf die Abschussliste. Weshalb der Junge sich in eine Vorstellungswelt flüchtet, die vielleicht gar keine Vorstellungswelt ist, ihm aber auf jeden Fall Sicherheit verspricht. Denkt er. Und denkt und denkt, und plumpst dabei tiefer und tiefer in ihm vom Schicksal gestellte Fallgruben, als eine ALICE in ihrem Wunderland sich das je hätte träumen lassen. Oder auch nicht träumen.

Kaufbefehl also, auch wenn's anstrengend wird.
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Dienstag, 17. April 2007

Lesungen im Mai 2007

Nachdem ich mich zwei Jahre lang ziemlich rar gemacht habe, sind für 2007 extrem viele Lesungen geplant, speziell im Herbst. Zuvor, im Mai, bin ich hauptsächlich im Münsterland sowie in Mittel- und Nordhessen unterwegs. Interessant für Hardcorefans sind eventuell die Lesungen aus zwei noch in Arbeit befindlichen, sehr umfangreichen Romanen. Das Haus in der Marsch ist ein ausgewiesener Schmöker für Jugendliche und erzählt die Geschichte einer Trauma-Bewältigung durch einen Fünfzehnjährigen; inhaltlich mit einem hohen Anteil an Phantastik. Bei Unter dem Damm handelt es sich um eine hessische Familiengeschichte und Dorfchronik, die in den Sechzigern spielt, aber im 2. Weltkrieg wurzelt; sie richtet sich thematisch eher an ein erwachsenes Publikum.

Montag, 7. Mai – Ochtrup

Die Mitte der Welt (20h, Katholische Bücherei)

Dienstag, 8. Mai – Recklinghausen
Unter dem Damm (20h, Katholische öffentliche Bücherei)

Donnerstag, 10. Mai – Detmold
Die Mitte der Welt (16h, Stadtbücherei)

Mittwoch, 23. Mai - Kelsterbach
Der mechanische Prinz (15h, Stadt- und Schulbücherei)

Mittwoch, 23. Mai - Offenbach
Die Mitte der Welt (20h, Hotel Winter's Offenbacher Hof)

Donnerstag, 24. Mai - Battenberg/Eder
Das Haus in der Marsch (19h, Burgberghalle, Kultur- und Bürgerzentrum)
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Autorenlesungen

Der Großteil aller von mir bestrittenen Lesungen findet in Schulen bzw. in Bibliotheken vor eingeladenen Schulklassen statt – und damit zwangsläufig unter Ausschluss der Öffentlichkeit, sozusagen. Immer mal wieder gibt es aber auch offene Nachmittags- und besonders Abendveranstaltungen, von Bibliotheken, dem Buchhandel und anderen Organisatoren angeboten werden.



Unter der neuen Rubrik Autorenlesungen liste ich jeweils nur diese öffentlichen Veranstaltungen auf. Nähere Infos bitte der lokalen Presse, dem Netz etc. entnehmen und beachten, dass für manche der Veranstaltungen (ggf. ermäßigter) Eintritt gefordert wird.

Damit die Linkliste sich nicht unnötig aufbläht, werde ich abgelaufene Monate daraus entfernen. Im Juni will vermutlich keiner mehr wissen, was er im Mai verpasst hat. Falls doch, lassen auch verstrichene Termine sich unter Lesungen in den Blog-Themen unschwer wiederfinden.
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Samstag, 14. April 2007

Bahnfahren (4)

Als ich vor Ostern zum Renovierungstrip nach Hessen aufbrach, saß mir in der Bahn ein etwa vierzehnjähriger adipöser Teenager gegenüber, der wie ein Schlot rauchte, sich dabei auf seinem Laptop durch irgendein Ballerspiel metzelte und jeden Levelwechsel damit markierte, dass er abwechselnd seine Fingernägel oder ein paar Riegel Kinderschokolade fraß. Es war eines jener Ereignisse, denen man in ähnlich faszinierter Fassungslosigkeit zuschaut wie einer Astrologin beim Orakeln auf 9live, dem bundesdeutschen Klatschvieh beim Musikantenstadl oder Kindern mit Sturzhelm auf einem Fahrrad mit Stützrädern. Alle 50 Kilometer kullerten ein paar mehr achtlos zusammengeknüllte Wickelpapierchen über den Tisch. Als der Junge bei geschätzten 10.000 Kalorien und der Zug in Kassel angekommen war, musste ich umsteigen. Ich kaufte mir sofort meine eigene Tafel Kinderschokolade.



Das ist jetzt gut zwei Wochen her, ich habe seitdem knapp vier Pfund zugenommen und bin glücklich. Bis Ende April will ich nämlich fit sein fürs deutsche Sportabzeichen, das Ferrero mit der Aktion just sports unters Volk zu bringen versucht: Man erhält zwei goldene Sport-Taler pro Tafel Kinderschokolade. Sind 200 Stück davon gesammelt, darf man sich eine "exklusive Sportprämie" von adidas aussuchen. Ich habe mich für fetteste Prämie von allen entschieden, ein schickes Kapuzenshirt, auf dessen Revers ich mir das begehrte Abzeichen dann heften kann. Das Shirt ist tiefblau gehalten, also klug gewählt, denn dunkle Farben tragen nicht so auf. Impossible is nothing.



Ich gebe zu, ich bin ein wenig spät dran mit meiner Teilnahme an der Aktion. Sie läuft bereits am 30. April aus, weshalb ich seit der Zugfahrt täglich dreieinhalb Packungen Kinderschokolade esse, um die blöden 200 Taler zusammen zu kriegen. Zwar versprechen andere Ferrero-Ferkeleien ebenfalls einen Goldregen, aber ich bin produkttreu. Außerdem kann man keine ordentlichen Liegestütze mehr machen, geschweige denn schnittig um eine Ecke laufen, nachdem man fast vier Schachteln Mon Chéri in sich reingestopft hat. Und Kinderschokolade hat den Vorteil, dass sie nicht nur lecker ist, sondern auch wahnsinnig gesund. Sie enthält nämlich die berühmte Extraportion Milch, die laut Packungsangabe 33 Prozent des Gesamtgewichts einer Tafel ausmacht. In Flüssigkeit gemessen wären das etwa vier Esslöffel pro Tag. Von denen man ja nun echt nicht verlangen kann, dass deutsche Mütter sie ihren unwilligen Kindern zwangsweise einflößen, wenn es doch deutlich praktischer geht – zumal Kinderschokolade mit der leichten Portionierbarkeit durch einzeln verpackte Riegelchen prahlt. Ökologisch betrachtet entsteht dabei zwar auch ein leichtes Sauereichen durch die vielen Einzelverpackungen, aber dafür senkt sich nach Erhalt des Sportabzeichens ob verbesserter Atmung ja auch der CO2-Ausstoß. Und was drohende Karies angeht: Die Dötzeken kriegen, sobald der Sturzhelm abgelegt ist, sowieso ihr erstes Bleaching verpasst, um sie fit für den zukünftigen Kampf um Arbeitsplätze zu machen. Da kann man en passant auch gleich die Löcher in den Zähnen mit Porzellan ausbetonieren.



Tja, und was soll ich nun sagen? Seit ich mir neben allen übrigen Mahlzeiten auch noch Kinderschokolade reinpfeife, fühle ich mich großartig! Was sicher daran liegt, dass ich aufgrund meines verspäteten Ehrgeizes mit dreieinhalb täglich zu verspachtelnden Tafeln haargenau die von Ernährungswissenschaftlern empfohlene Tagesdosis an Vitamin B2 und Phosphor zu mir nehme. Meine Nerven sind schon viel strapazierfähiger geworden und mein Mann findet mich nachts sogar im Dunkeln, weil ich von innen heraus leuchte. Keine Ahnung, wie viele Fingernägel ich essen müsste, um denselben Effekt zu erzielen, aber ohne die Unterstützung durch Nachbarn oder Freunde käme ich damit garantiert nicht hin.

Etwas Sorge bereiten mir lediglich die zusätzlichen 1952 Kalorien pro Tag und die Überlegung, dass ich mich irgendwann ein bisschen bewegen muss, wegen des Sportabzeichens und so weiter. Von nichts kommt ja bekanntlich nichts. Aber ich bin guter Dinge. Sobald ich erfolgreich hochgerechnet habe, wie sich mein bis Ende April hinzugewonnenes Körperfett auf die Größe des einzufordernden Kapuzenshirts auswirkt, kann's losgehen. Wenn mich der Rappel packt, leg ich vielleicht sogar noch 50 Sporttaler drauf für ein passendes Basecap. Das wären nur 25 Tafeln mehr. Und zur Not kann ich immer noch die Produkttreue sausen lassen und auf Hanuta ausweichen.
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Mittwoch, 4. April 2007

Ostern auf dem Bau

Kurze Durchsage: Seit einigen Tagen, und noch über Ostern hinaus, renoviere ich mein hessisches Schreibdomizil. Der Blog muss derweil leider ruhen – abends bin ich zu platt, um noch irgendwas Gescheites zu schreiben. Ich wünsche allen Besuchern dieser Seiten schöne Feiertage!


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Freitag, 30. März 2007

Mal wieder Steinchen ...

Bevor ich mich den zweifelhaften Freuden der Umsatzsteuer-Voranmeldung hingebe, muss ich noch ein ästhetisches Steinchen-Problem lösen. Es geht um die Umrahmung der Fotos. Im Template voreingestellt ist ein Rand mit (variablem) Abstand; dessen Farbe kann ebenfalls geändert werden. Das macht die Darstellung schön luftig – passt also zum derzeit guten Wetter.


Man kann den Rand aber auch nach innen verlegen und gleichzeitig transparent machen; Randbreite und Grad der Transparenz sind ebenfalls variabel: Weniger Luft, dafür mehr Stabilität. Großer Seufzer. Meine Probleme möchte ich haben …


Da für jedes Foto mit transparentem Rand der entsprechende Code manuell in den dazugehörigen Post eingegeben werden muss (bis ich gerafft habe, wo und wie man das in den Stylesheets automatisiert), ist die ganze Aktion jeweils ein bisschen aufwändig: Foto hochladen und auf dem Blogger-Server speichern, den Link kopieren und im HTML des Posts einsetzen, zuletzt die Seitenränder berechnen, damit nicht alles außer, ehm, Rand und Rand gerät. Aber für hübsch macht man ja fast alles. Jedenfalls bei gutem Wetter …
(Abstandhalter)

Donnerstag, 29. März 2007

ZEITabschnitte (1) - Lindgren und Potter

Ab jetzt weise ich mit den ZEITabschnitten unregelmäßig auf mal mehr, mal weniger lesenwerte Artikel über Kinder- und Jugendliteratur in Deutschlands beliebtestem Briefbeschwerer hin. Dort firmiert selbige Gattung zwar nur als "Kinder- und Jugendbuch", weil die Zielgruppe offenbar keine Literatur liest, weshalb die gesamte Sparte auch erst hinter Belletristik, Lyrik, politischem Buch und Sachbuch angeordnet ist. Aber das tut meiner Freude über das eine oder andere Schmankerl keinen Abbruch.

Hymnische Heerschären

Und ich sag's noch … Susanne Mayer schmeißt sich als Erste vor den rollenden Zug und ehrt Astrid Lindgren mit einer kleinen Hommage, bevor alle anderen es tun. Dass aber klein nicht unbedingt kleckern heißt, wird schon eingangs des Artikels klar gestellt, geht es doch darin um nicht weniger als "die wunderbarste Kinderbuchautorin aller Zeiten, was man jedenfalls für die ersten 6000 Jahre der Schriftkultur behaupten kann." Da wird sich der Oetinger Verlag freuen, wenn nun alle Bildungsbürger, in deren Billy-Regalen bisher eine schwedische Lücke klaffte, diese spätestens jetzt zu schließen versuchen werden.



Frau Mayer beendet ihre (vornehmlich biografisch orientierte) Hymne an die Schwedin mit der Frage "wieso es in der ganzen Welt nur die eine Frau gibt, die so überzeugend für Kinder und zu Kindern spricht." Na ja. Ganz vielleicht liegt's daran, dass Frau Mayer während des Studiums von 6000 Jahren Schriftkultur ein paar andere gute oder gar bessere Kinderbücher als die von la Lindgrén durch die Lappen gegangen sind. Und nein, damit meine ich nicht die meinen.

Besen! Besen! Seid's gewesen …

Die Veröffentlichung des letzten Potter-Bandes naht mit großen Schritten: Am 21. Juli ist es so weit. Weshalb ab jetzt nicht mehr nur in zahllosen Internet-Foren die Spekulationen um den Ausgang der Saga ins Kraut schießen, sondern auch in den großen Feuilletons. Derselbe Herr Jessen, der in einem ganz anderen Artikel wunderbar böse die psychologischen Prämissen der deutschen Verbotsmanie aufgedröselt hat, bedient sich einer angeblichen (im Netz jedenfalls unauffindbaren) Meldung des britischen Daily Star, um das schlimmste aller möglichen Enden für Harry – und damit auch für dessen Leser – herbei zu unken: Den Abstieg des aller magischen Kräfte beraubten Zauberlehrlings ins banale Alltagsleben.



So müßig derlei Mutmaßungen sind, so hübsch nutzt der Herr Jessen dieselben, um uns eine Lektion in Sachen progressiver Universalpoesie zu erteilen. Friedrich Schlegel hat sie dereinst formuliert: Aufgabe der Literatur ist es, die Welt zu romantisieren. Dem habe ich wahlweise sehr viel, besser aber erstmal gar nichts hinzuzufügen, außer vielleicht den Wunsch, dass all jene Schüler und Studenten Herrn Schlegel vertiefend studieren mögen, die uns Autoren immer wieder gern mit der Frage martern, warum es in einigen unserer Bücher so unwahrscheinlich zugehe – ins Deutsche übersetzt also: nicht deutsch genug.

Montag, 26. März 2007

Beschützer der Diebe - Neuauflage

Die Ursachen für das Elend um den derzeitigen Lieferstopp der Taschenbuch-Ausgabe von Beschützer der Diebe begründen sich wie folgt: Carlsen hat dtv, dem derzeitigen Lizenznehmer, den Titel für die hauseigene Taschenbuch-Reihe abgekauft. Die Carlsen-Ausgabe sollte im September 2007 auf den Markt kommen. Bis dahin hat dtv die Option, binnen eines halben Jahres die derzeitigen Lagerbestände des Buches loszuwerden. Abverkaufsfrist nennt sich das, ein in der Regel sinnvolles Instrument, um wirtschaftlichen Schaden (sprich: das Sitzenbleiben auf einem hohen Auflagenrest) zu begrenzen.

Leider gibt es keine Lagerbestände von Beschützer der Diebe. Die sehr gängige Regel, dass bis zum Ende der Abverkaufsfrist immer ein kleiner Auflagenrest übrig bleibt, gilt nun mal nicht für ein Buch, das als Standardlektüre im Deutschunterricht verwendet wird. Genau das ist die Stelle, an der irgendein Rechenschieber bei dtv sehr gründlich daneben gelegen hat. Vielleicht war 's ein Praktikant. Hoffentlich war's nur ein Praktikant. Jeden hierarchisch höher stehenden Entscheidungsträger, der dermaßen versagt hat, würde ich als Verleger nämlich feuern.

Wie geht's nun weiter? Um den Schaden zu begrenzen, wird Carlsen die Auslieferung der neuen Taschenbuch-Ausgabe von September auf Anfang Juli vorziehen. Schneller geht's nicht. Dass es überhaupt geht, stimmt mich fröhlich, aber nur bedingt. Damit ist nämlich keinem Lehrer geholfen, der den Titel aktuell im Unterricht behandeln möchte. Im Juli, wenn er endlich wieder erhältlich sein wird, ist das Schuljahr nämlich rum. Und wie viele Lehrer ein Buch ganz von der Liste streichen, von dem es beim Buchhändler lapidar heißt, dass es nicht mehr aufgelegt wird, will ich gar nicht wissen.




Vermutlich ist es müßig, an dieser Stelle auf die aktuell lieferbare Hardcover-Variante des Buches hinzuweisen. Schüler, die ohne mit der Wimper zu zucken zehn Mal hintereinander für ihren Lieblingssänger bei DSDS anrufen oder sich für einen Fünfer im Fastfood-Laden um die Ecke mit einer Tagesdosis Glutamat eindecken, gucken dich sofort ganz hohlwangig an, wenn sie den Preisunterschied zwischen Taschenbuch und Hardcover berappen sollen. Ein Betrag von drei Euro vierzig, der in etwa den Kosten für das T oder das H auf einem neuen T-Shirt von Tommy Hilfiger entspricht, ist absolut nicht drin. Man muss Prioritäten setzen. Außerdem macht die Politik es vor: Kultur und Bildung kommen immer zum Schluss. Und ihre Kosten werden grundsätzlich vom Taschengeld bestritten.